Die Gemeinderatsmitglieder der SVP haben in der gestrigen Gemeinderatssitzung von Schenna den Beschlussantrag der SÜDTIROLER FREIHEIT niedergestimmt, welcher vorsah, den faschistischen Ortsnamen „Verdines“ für die Fraktion Verdins nicht mehr zu verwenden. Da „Verdines“ amtlich nie eingeführt wurde und somit de facto gar nicht existiert, wäre die Gemeinde Schenna nicht verpflichtet, diesen faschistischen Namen zu verwenden. Die SVP hat sich in Schenna jedoch gegen die Beseitigung des faschistischen Namens ausgesprochen und so führt die Gemeinde Schenna, mit den Stimmen der SVP, die Ideologie des Faschismus fort.

Im „PRONTUARIO DEI NOMI LOCALI“ von Ettore Tolomei, ist der vermeintlich italienische Name „Verdines“ nirgends verankert. Im Gegenteil, sowohl im Prontuario, als auch in den Karten des „ISTITUTO GEOGRAFICO MILITARE“ scheint überall nur der Name Verdins auf. Der erfundene Begriff „Verdines“ existiert im Prontuario nur für die Fraktion Verdings im Eisacktal, nicht aber für Verdins in Schenna.

prontuario.jpgDie Fraktion Verdins bekam in der Zeit des Faschismus von einem Beamten der damaligen faschistischen Gemeindeverwaltung den italienisch klingenden Begriff Verdines einfach zugeordnet. Dies geschah jedoch nicht auf Basis einer gesetzlichen Grundlage. Davon zeugt die Tatsache, dass selbst auf den staatlichen und somit offiziellen Unterlagen dieser Zeit, nur der Name Verdins geführt wird. Amtliche Gültigkeit hat der Begriff Verdines somit nie erhalten. Dies belegen auch Photos aus dem Jahr 1957. Auf den offiziellen Straßenschildern scheint dort ebenfalls nur der Name Verdins auf. Selbst in den aktuellen Publikationen des Landes, wie dem Südtirol Handbuch, wird in italienischer Sprache nur der Name Verdins verwendet.

In Beantwortung einer Landtagsanfrage bestätigte LH Durnwalder dem Landtagsabgeordneten Sven Knoll ebenfalls, dass der Begriff „Verdines“ nicht amtlich ist und die Gemeinde Schenna somit nicht verpflichtet ist, diesen Begriff zu verwenden. Auf diese Anfrage antwortete der Bürgermeister von Schenna dem Landeshauptmann noch sehr mutig, indem er schrieb: „Sollte sich herausstellen, dass die Übersetzung „Verdines“ in der Ortsnamengebung wirklich nicht existiert, hat die Gemeindeverwaltung absolut nichts dagegen, in Zukunft nur mehr den deutschen Namen Verdins zu verwenden.“
Von diesen mutigen Worten ist bei der Abstimmung im Gemeinderat jedoch nichts übrig geblieben.

Es geht nicht darum einen Namen zu streichen, sondern darum, die Bezeichnung „Verdines“, die für das Gemeindegebiet von Schenna gar nicht existiert, einfach nicht mehr zu verwenden. Die Gemeinde Schenna ist in derselben Situation wie die Gemeinden Lana, Plaus und Gais, für die es ebenfalls keine italienischen Übersetzungen gibt, so Myriam Atz-Tammerle, Gemeinderätin der SÜDTIROLER FREIHEIT.

Es ist bedauerlich, dass gerade eine Gemeinde wie Schenna, die in den letzten Jahren öfters mit Schlagzeilen über rechtsradikale Auswüchse aufhorchen ließ, sich nicht ihrer Verantwortung bewusst ist, eine klares Zeichen der Ablehnung gegen die Ideologie des Faschismus und des Nationalsozialismus zu setzten. Durch die Stimmen der SVP ist Schenna um die historische Chance gebracht worden, ein kulturpolitisches Unrecht zu beseitigen.

L.-Abg. Sven Knoll
Gemeinderätin Myriam Atz-Tammerle
SÜD-TIROLER FREIHEIT